Quelle: KURIER ONLINE
Artikel vom 14.06.2007, 14:44
Aufregung um David Irvings Verteidiger Herbert Schaller. Gaskammern zu leugnen sei ein "Amoklauf gegen die Wirklichkeit", stellt das DÖW fest.
Wieder Aufregung um den Wiener Anwalt Herbert Schaller, bekannter Verteidiger von Holocaust-Leugnern und Neonazis: Die rechtsextreme (laut Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes/DÖW) Arbeitsgemeinschaft für demokratische Politik (AFP) druckte die Rede, die Schaller im Dezember 2006 bei der Holocaustleugner-Konferenz in Teheran gehalten hatte, in einer Broschüre zur Gänze ab.
Schaller gibt laut der unter dem Titel "Die strafrechtliche Seite des Holocaust-Problems" erschienenen "AFP-Information" unter anderem Folgendes von sich:
"... Erstens die Tatsache, daß die Beschuldigung der Deutschen mit dem Holocaust bisher nicht ordnungsgemäß bewiesen ist; ..." (Seite 1). Auf Seite 3 heißt es unter anderem: "Tatsache ist aber auch, daß von einem rechtsstaatlich einwandfrei erbrachten Nachweis der NS-Gaskammern nach wie vor keine Rede sein kann."
Auf Seite 8 heißt es: "(...) die Existenz von Gaskammern scheint im Rang eines quasi-religiösen Dogmas zu stehen, dem die Wirklichkeit von Sachbeweisen nichts anhaben darf."
Gegenüber KURIER ONLINE kommentierte Brigitte Bailer, wissenschaftliche Leiterin des DÖW, Schallers Behauptungen so: "Zur Realität der Gaskammernmorde wurden vor den Gerichten verschiedener Staaten nach 1945 unzählige Zeugenaussagen von Opfern ebenso wie von Tätern sowie nationalsozialistische Dokumente wie z. B. Baupläne der Gaskammern vorgelegt. Im Dezember 1945 legte das Institut für Gerichtsexpertisen in Krakau eine chemische Untersuchung der Haare und persönlichen Gegenstände von Opfern der Giftgasmorde vor. An den Ruinen der Krematorien von Auschwitz-Birkenau wurden im Übrigen auch archäologische Untersuchungen durchgeführt."
Staatsanwaltschaft prüft Die Staatsanwaltschaft überprüft den Fall Schaller nun auf strafrelevante Aussagen nach dem Verbotsgesetz neu: Schaller war bisher nicht zu verfolgen, da er die Aussagen in Teheran, also im Ausland getätigt hatte. Die Veröffentlichung der Broschüre im Inland könnte den Sachverhalt nun ändern. Als Erscheinungsort ist Klagenfurt angegeben, Verlagspostamt ist ebenfalls "9020 Klagenfurt".
Schaller hatte unter anderem den britischen Holocaust-Leugners David Irving verteidigt. Irving saß wegen nationalsozialistischer Wiederbetätigung bis Dezember 2006 eine 13-monatige Haftstrafe in Österreich ab.
Zuvor war Irving schon in seiner britischen Heimat verurteilt worden: "Detaillierte Ausführungen von Historikern und Sachverständigen widerlegten im Jahr 2000 vor dem High Court in London im Prozess des Holocaust-Leugners David Irving gegen Deborah Lipstadt neuerlich eindrucksvoll die Behauptungen Irvings und damit auch anderer Holocaust-Leugner", so Bailer: "Wir alle haben uns der Tatsache der Morde mittels Giftgas an Behinderten ebenso wie an Juden und Jüdinnen sowie Roma und Sinti als das grausamste Geschehen des 20. Jahrhunderts zu stellen. Diese zu leugnen stellt - wie der verstorbene deutsche Historiker Martin Broszat formulierte - einen "Amoklauf gegen die Wirklichkeit" dar."