Der Tod von Dresden
"Gegenüber dem Kaufhaus Renner wurden Roste aus Eisenträgern errichtet. Sie erhoben sich einen halben Meter über dem Erdboden — Krematorien unter freiem Himmel.
Man legte die Toten übereinander. Eine Schicht nach der anderen, so, wie man sie eben angefahren brachte.
Wie wenig Platz doch ein toter Mensch beansprucht! Hunderte wurden zu Haufen getürmt. Ein Scheiterhaufen enthielt 450 bis 500 Menschen. Jede Schicht wurde mit Benzin getränkt. Ein Streichholz entfachte das Feuer, dann loderten die Flammen empor.
Alle jene jetzt unkenntlichen Menschen hatten auch ihr Schicksal gehabt und ihr Leben gelebt. Wahllos lagen sie übereinander.
Soldaten in Uniformfetzen, Männer, Frauen und Kinder.
Fast behutsam wurden die Kinder hochgehoben und zu den Erwachsenen gelegt. Ihr Anblick erschütterte jeden, ganz gleich welcher Nation.
Heimkehrende Männer werden unter den Trümmern Dresdens ihre Frauen und Kinder suchen. Kinder ihre Eltern, Mütter vergeblich auf die Rückkehr ihrer Söhne warten.
Dresden, auch das Massengrab unzähliger Flüchtlinge, wird niemals die Zahl seiner Toten enthüllen können. Generationen wurden ausgelöscht. Niemand wird mehr nach ihnen fragen.
Die Flammen loderten ohne Unterbrechung Tag und Nacht. Und immer fanden sie neue Nahrung. Die Zufuhren an Toten wollten kein Ende nehmen.
Die deutschen Einsatztruppen wurden laufend abgelöst.
Die Grenzen des Erträglichen, des Zumutbaren waren auch für die Lebenden weit überschritten."
(Axel Rodenberger)
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Auszug aus einem schriftlichen Bericht, der in einer Grab-Urne gefunden wurde:
Wir (Christa, ich und Michi) versuchten, dem Feuer zu entkommen, weil der Qualm das Leben des Kindes gefährdete. Der zweite Angriff trieb uns in den Keller eines brennenden Hauses. Als wir am 14.2. gegen 9:30 Uhr unseren Unterschlupf verlassen konnten – bis dahin waren wir durch Feuer eingeschlossen gewesen – bot sich uns der furchtbare Anblick der großen Plauenschen Straße.
Das Vorderhaus unserer lieben Eltern war durch Volltreffer zerstört. Alle Bewohner des Hauses waren rettungslos verloren, durch Verschüttung eingemauert und dann verbrannt. Der Anblick war erschütternd und ist kaum zu beschreiben.
Der ganze Stadtteil nur Schutt und Asche, man konnte über Hunderte von Metern sehen – kein Haus, das den Blick auffing. Ein Bild totaler, wahnsinniger Zerstörung, ein Werk des Teufels. Kein Mensch, außer wenigen Überlebenden, die aus ihren Kellern krochen, keine Luftschutzpolizei, einfach nichts, was helfen konnte.
Wir mußten mit dem Kind auf jeden Fall aus diesem Qualm, aus dieser Hölle heraus.
Ich trug den Jungen über Steinberge, zwischen brennenden und einstürzenden Häusern hindurch, vorbei an Toten und Sterbenden.
Am anderen Tag war unser Bataillon zu Bergungsarbeiten eingesetzt. Ich bat einen Zugführer, unseren Luftschutzkeller freizulegen. Am Abend brachte er mir die fast erwartete Antwort, daß hier nur eine Großaktion angesetzt werden könne.
Sechs Tage später ging ich selbst zur Schadensstelle. Die Schuttmassen waren noch so heiß, daß man nicht stehen konnte, ohne sich die Schuhsohlen zu verbrennen...
Nun hörte ich, daß man geborgene Tote am Altmarkt sammelte und sie mit Flammenwerfer zu Asche verbrannte. Dieses Schicksal wollte ich unseren Lieben ersparen.
Ich bekam von meiner Einheit einen Oberfeldwebel und sechs Kriegsgefangene zugeteilt. Die Leute begannen nach meinen Anweisungen zu graben.
Der Einstieg war genau an der richtigen Stelle erfolgt und legte den Eingang zum Keller frei. Eine furchtbare Hitze kam uns aus dem Keller entgegen und erlaubte nur einen Aufenthalt von wenigen Minuten. Trotz der schlechten Lampe bot sich mir der schmerzlichste Anblick meines Lebens:
Am Eingang kauerten mehrere Menschen, die anderen an der Kellertreppe und weiter hinten im Luftschutzkeller waren die vielen anderen. Die Leichen waren in der Form als Menschen erkennbar. Sie zeigten noch genau den Körperbau, die Schädelform, waren aber ohne Bekleidung, Augen und Haare, - also verkohlt und nicht zusammengeschrumpft.
Bei Berührung fielen sie zu Asche zusammen und zwar restlos ohne Skelett oder irgendwelche einzelne Knochen. Eine männliche Leiche erkannte ich als meinen Schwiegervater. Sein Arm war von zwei Steinen eingeklemmt. Dort waren Reste seines graumelierten Anzuges erhalten geblieben.
Nicht weit daneben saß unzweideutig die liebe Mutter. Die schlanke schmächtige Form und auch die Kopfform ließen keine Täuschung zu.
Ich fand eine Blechschachtel und barg die Asche der lieben Toten darin. Noch nie war ich so traurig, so verzweifelt und allein. Mit meinem kostbarem Schatz nahm ich mit feuchten Augen Abschied von dieser Stätte des Grauens. Ich zitterte am ganzen Körper, mein Herz pochte zum Zerreißen.
Meine Helfer standen still und ergriffen von der Wucht des Eindrucks dieser Stunde...
Diese Schilderung hat drei Durchschläge, einen lege ich in die Urne...
Pirna, den 12.März 1945 Gottfried ...
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Lebende Fackeln im Feuersturm
"Zwischen Wolle-Leupold und dem Fernsprecheramt wirbelten drei brennende Frauen herum – irrsinnig schreiende, riesige menschliche Fackeln“, berichtete eine Telefonistin, die im Fernsprechamt Dienst hatte. „Es war nicht anzusehen, und ein paar Arbeiter wollten sie retten.
Einer hatte irgendwo eine Wäscheleine erwischt, ein anderer riß eine Decke von der Tragbare, tauchte sie in ein Löschwasserfaß, wickelte sich vom Kopf bis zu den Knien in die triefenden Fetzen, schlang die Leine drüber und rannte durch den Seitenausgang hinaus.
Er versuchte, über die Straße zu kommen. In der Mitte erfaßte ihn der Flammensturm und wirbelte ihn gegen den Postplatz. Noch wollte er nicht zurück, wollte helfen, die lebenden Fackeln zu löschen, aber vergebens. Jetzt kroch er auf dem Bauch, winselnd vor Schmerz.
Der Dampf auf der siedenden Decke wurde quälender als Staub und Qualm und Flammen um ihn her. Auf der Straßenmitte packte ihn eine neue Feuerzunge und wirbelte ihn wieder dem Postplatz zu. So weit, daß die Wäscheleine nicht mehr reichte.
Als wir ihn hereingezogen hatten, fielen die letzten glimmenden Zunderfetzen von seinem Leib. Über das krebsrote, verbrühte und verbrannte Gesicht lief ein schmerzliches Zucken. Aus einem Mund mit den festverbissenen Zähnen preßte sich ein tierischer Laut, rauh und rissig, als bräche eine Stahlplatte. Der zuckende, nackte verbrannte Körper wollte sich winden, aufbäumen und wälzen. Er fing an zu zucken, streckte sich und lag plötzlich still. Der Krampf, der die Kinnlade band, löste sich. Still, ganz still lag er – tot."
www.lausitz-infos.net
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Aktionsbündnis gegen das Vergessen: Aktuelles zum 13.Februar 2009
Auch am 13.Februar 2009, wird die Tradition eines ehrenhaften Gedenkens an die Opfer von Dresden fortgesetzt. Dass es durchaus möglich ist, eine Gedenkveranstaltung im würdigen Rahmen, ohne politische Okkupation durchzuführen, bewiesen nicht zuletzt die über 1000 Teilnehmer am 13.Februar des letzten Jahres, sondern jüngst auch die Veranstaltung am 17.Januar 2009 in Magdeburg.
So stellen auch wir, als "Aktionsbündnis gegen das Vergessen", an uns selbst, wie auch an jeden Teilnehmer den Anspruch an ein angepasstes Auftreten und die nötige Selbstdisziplin am 13.Februar.
Verbrechen am DEUTSCHEN VOLK